Traumgartentraum.

Wenn ich so gar nicht weiß, wer ich gerade bin, weil das Leben übervoll mit anderen Dingen ist, dann gehe ich in meinen Garten, um zur Ruhe zu kommen und mich wiederzufinden. Das ist das Beste überhaupt an meinem Garten: ich bin immer dort. Manchmal muss ich etwas suchen, bis ich mich finde, aber spätestens, wenn ich die Erde von den Händen quer durchs Gesicht gewischt habe, bin ich wieder ich.

Der Begriff „sich erden“ erschließt sich mir nie so so sehr wie in solchen Momenten. Wenn der ganze Bürotag zu laut, zu schnell, zu sinnfrei und zu oberflächlich war, wühle ich meine Hände in die Gartenerde, um das Tiefgründige wieder zu fassen zu bekommen. Wenn der Kopf zur Ruhe kommt, das Herz wieder frei wird, ich zum Garten werde und der Garten zu mir. Das Summen in den Ohren durch das Summen der Insekten ersetzt wird und das Flimmern der Großstadtlichter durch das Licht- und Schattenspiel des dunkelvioletten Flieders, durch den die spätnachmittäglichen Sonnenstrahlen schimmern. 

Hallo, Mone. – Hallo. Da bist du ja.

Der Salbei, gerade kurz vor der Blüte, duftet mit Rosmarin, Waldmeister und Flieder um die Wette. Meine im Keller vergessenen Kartoffeln, die schon aus eigener Kraft die Treppe hochgekrochen kamen, winken mir mit ihren zarten, ersten Blättchen zu. (Ich habe ihrer Bitte stattgegeben und sie in einen großen Eimer gepflanzt.) Meine Rosen haben die ersten Knospen und die essbare Wildblumenmischung wächst mit den Hängeerdbeeren in den Blumenkästen um die Wette, während sich diverse Meisenarten, Rotkehlchen, Spatzen und Drosseln (relativ) friedlich den Futterplatz mit ein paar Mäusen teilen.

Am Schönsten ist es, wenn ich es schaffe, mit meinem Garten zu verschmelzen und das rote Eichhörnchen zu Besuch kommt, mich ansieht und nicht erschreckt, sondern nach kurzer Zeit der eingehenden Betrachtung einfach ruhig weiter geht. Das ist dann der vollkommene Gartentraum. Mein Traumgarten.